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 Um das Warten auf den offiziellen Fluff zu verkürzen...

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Tyzor



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BeitragThema: Um das Warten auf den offiziellen Fluff zu verkürzen...   9/11/2012, 22:30

Moin!

Da ich meine Übersetzungen erstmal auf Eis gelegt habe, bis das englische Regelwerk mit Backround erscheint, habe ich mir gedacht das ich auch einmal selbst kreativ werden könnte. Herauskommen soll dabei eine längere Geschichte, die ich nach und nach hier in einzelnen Episoden veröffentlichen Möchte! Für Kritik und Anregungen bin ich immer offen!

So aber jetzt viel Spaß!

Grüße

Tyzor
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Tyzor



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BeitragThema: Re: Um das Warten auf den offiziellen Fluff zu verkürzen...   9/11/2012, 22:50




Mortiferum Spectaculum


Teil 1: Bestien aus der Nacht


Stumpfsinnig starrte sie vor sich hin. Es roch modrig und der beißende Geruch von Ammoniak reizte ihre Nase. Doch Nachts waren sie hier sicherer. Sie hatte Glück und durfte die erste Wache übernehmen. Die Nacht gehörte den Degenerierten. Schon tagsüber waren die rastlosen und scheinbar unaufhaltsam angetriebenen verlorenen Seelen eine echte Plage, doch Nachts...

Sie dachte an Hektor. Ihren Hund oder das was die Apokalypse nach Jahren der genetischen Mutationen von einem Hund übrig gelassen hatte. Eines Abends, als sie sich wieder hier unten versteckten, hatte er etwas gewittert, war knurrend aufgesprungen und pfeilschnell in die Dunkelheit gelaufen. Keiner hatte ihn zu fassen bekommen. Dann hatten sie ein grauenhaftes Grollen in der Ferne vernommen und Hektor hatte erbärmlich angefangen zu winseln. Sie wollte hinterher und ihm helfen doch irgendjemand hatte sie festgehalten. Vor Wut und Anstrengung waren ihr die Tränen in die Augen geschossen. Schließlich hörten die qualvollen Geräusche in der Ferne auf. Als sie am nächsten Tag sehen wollte was passiert war fand sie nichts, nicht einmal Knochen.

Sie rieb sich die Augen und lauschte weiter angestrengt in die Dunkelheit. Es war nicht gut sich mit alten Geschichten zu belasten. Immerhin hielten sie seit dem Tag die Gittertür, die einst Kinder davon abhalten sollte im Kanalsystem Verstecken zu spielen, verschlossen. Was für eine Ironie dachte sie. Früher wurden sie am Verstecken gehindert und heute verkriechen wir uns hier Nacht für Nacht, wie die Ratten, in der Kanalisation, um uns vor diesen Kreaturen zu verstecken.

Wie bestellt stieß ein Schwarm Krähen auf, erschreckt von irgendjemandem oder irgendetwas. Sie tastete nach ihrer Peitsche, die am Gürtel hing und erhob sich langsam. Dabei umfasste sie den Baseballschläger den der Wächter bekam fest mit der Hand. Kühl schmiegte sich das Aluminium in ihre Hand und sie starrte konzentriert in die Dunkelheit um auch keine noch so unscheinbare Kleinigkeit zu übersehen. Die Schreie der Krähen durchdrangen die Dunkelheit. Nachts erschienen alle Geräusche unendlich laut.

Ihr Herz pochte wie verrückt und sie drückte sich an die Wand des Kanals. Langsam beruhigten sich die Krähen wieder. Was auch immer dort draußen gewesen sein mochte schien nicht in ihre Richtung zu wollen, noch nicht. Langsam entspannte sie sich und setzte sich wieder auf den kleinen Steinhaufen den sie zusammen mit Elenia errichtet hatte, damit die Nachtwache nicht im Dreck sitzen musste.

Ein Zweig zerbrach und plötzlich krachte ein massiver Körper gegen das Stahlgitter. Sie schrie erschrocken auf. Etwas schnappte nach ihr. Sie spürte den heißen stinkenden Atem in ihrem Gesicht. Ein unheilvolles Knurren drang kehlig auf sie ein. Dann krachte eine zweite Kreatur gegen das Gitter und im Hintergrund konnte sie noch mindestens zwei weitere von diesen widerwärtigen Viechern erkennen. Ohne zu überlegen schlug sie dem Chitinhund, der am nächsten zu ihr in das Gitter gerannt war, mit voller Wucht den Baseballschläger auf den Schädel. Sie war selbst überrascht von der brutalen Gewalt ihres Schlages.

Noch nie zuvor hatte sie eine solch abstoßende Ausgeburt der Hölle von so nahem gesehen. Der Schlag zeigte auf dem Chitinpanzer dieses Mutanten keinerlei Folge, außer das der Hund seine Anstrengung verdoppelte sie mit seinen fingerlangen Reißzähne zu fassen. Blitzschnell sprang sie nach hinten und lies ihre Peitsche knallen. Den beiden Bestien die gerade versuchten mit aller Macht das Stahlgitter zu durchbrechen würde sie schon Benehmen einprügeln. Schließlich hatte sie schon vielen wilden Tieren Kunststücke beigebracht und tief in den geschundenen Seelen dieser atomar verstrahlten Wesen musste sich immerhin noch ein Hund befinden.

Im selben Moment stürmte hinter ihr, mit einem teuflischen Lachen, Vlädd herbei, scheinbar durch ihren Schrei aufgeweckt. Der Rest der Gang würde sich wohl nun in dem Pumpenraum, den sie als Nachtlager benutzten, verschanzen, falls ihre Feinde die Hürde aus zwei Zentimeter dickem gehärtetem Stahl nehmen konnten. Ein nur allzu bekanntes Klicken vom Zünden des Flammenwerfers riss sie aus ihrem Rausch und sie warf sich zur Seite um nicht in den Flammen ihres Verbündeten zu sterben. Vlädd war gnadenlos und er gab sich keine Mühe das zu verbergen oder irgendjemand oder -etwas zu verschonen. Wer sich nicht selbst in Sicherheit brachte war verloren wenn er heranstürmte. Egal ob Freund oder Feind.

Der Geruch von verbrannten Butan und Diesel stieg ihr in die Nase und die Hitze des Feuerstoßes senkte ihre Nackenhaare an. Die Chitinhunde jaulten unter Schmerzen auf. Sie hob vorsichtig den Kopf und blickte auf das grausame Schauspiel. Mit sadistischer Präzision heizte Vlädd den beiden Hunden ein. Die Beiden, die sich im Hintergrund gehalten hatten, nahmen eine drohende Stellung ein doch angreifen wollte scheinbar keiner von beiden. Sie begnügten sich mit einem grauenhaften Knurren. Vlädd lachte laut und teuflisch. „Kommt doch her ihr Scheißviecher!“, er war völlig in Rage. Ihr fiel auf einmal ein Schatten am Rande der Szenerie auf. Dort draußen war scheinbar noch etwas. Und es stand seelenruhig im Schatten zwischen ein paar abgestorbenen Bäumen. Grade weit genug weg um nicht beleuchtet zu werden.

Sie war sich nicht sicher ob ihre Nerven ihr einen Streich spielten oder ob sie dort tatsächlich einen scheinbar menschlichen Schatten vernahm. Sie versuchte sich genauer auf die Stelle zu konzentrieren aber der Schatten war verschwunden und auch die beiden Chitinhunde die nicht versucht hatten das Gitter zu durchbrechen zogen sich langsam rückwärts gehend in die Dunkelheit zurück. „Wartet nur euch kriege ich auch noch!“, Vlädd schrie wütend hinter den beiden Hunden her: „Ihr dreckigen Feiglinge!Kommt wieder zurück!“ Mittlerweile schien er der Meinung zu sein die beiden Angreifer hätten genug abbekommen. Eine Ansicht die sie durchaus teilte, schließlich waren von den eben noch so agilen Bestien nur zwei glühende Haufen zurück geblieben.

Erst jetzt wendete er sich ihr zu: „Grusha warum hast du mich wegen dieser beiden lächerlichen Parasiten aufgeweckt?“ Sie merkte, dass er scheinbar nicht ganz nüchtern war. Seine blutunterlaufenen Augen und der Umstand, dass die ganze Situation nur noch von der Zündflamme des gewaltigen Flammenwerfers beleuchtet wurde, gaben seinem ohnehin schon erschreckenden Auftreten etwas psychotisches. „Was würdest du denn tun wenn auf einmal zwei von diesen Viechern aus dem Nichts versuchen zwei Zentimeter dicke Stahlstangen zu durchbrechen? Verdammt Vlädd ich hab mich zu Tode erschrocken!“, sie sah ihm vom Boden aus direkt in die Augen.

Er drehte sich mit einem missbilligenden Schnaufen weg und stapfte wieder zurück in die Kanalisation. „Ich schicke Anton! Er soll dich ablösen, wenn du nicht dazu taugst die erste Wache zu übernehmen.“ Gruscha antwortete nicht darauf. Sie dachte an den Schatten den sie gesehen hatte. Auch das scheinbar überlegte Verhalten mit dem die Hunde vorgegangen waren kam ihr seltsam vor. In der Ferne ertönte ein fürchterliche Schrei. Wenn sie Vlädd darauf ansprechen würde, würde er sie für verrückt halten. Es war ja auch völlig verrückt, dass jemand einen Chitinhund zähmte. Doch normalerweise griffen sie immer in Horden an und lauerten nicht teilweise im Hintergrund herum. Schließlich waren die Chitinhunde blutlüsternde Bestien. Sie beschloss ihre Befürchtungen erst einmal für sich zu behalten und versuchte sich auf andere Gedanken zu bringen.

„Gruscha! Vlädd schickt mich! Ich soll dich ablösen.“, Anton kam langsam angeschlurft. „Danke! Nach diesem Schrecken brauche ich eine Mütze Schlaf.“ Sie gab ihm den Baseballschläger und ging in den dunklen Tunnel. Die anderen blickten nur kurz auf als sie den Pumpenraum betrat. Der armselige Unterschlupf wurde durch ein Feuer gewärmt und erhellt, was sie in einem Steinkreis in der Mitte des Raumes entzündet hatten. Der Qualm zog durch die Pumpenrohre ab. Wohin genau wussten sie nicht.

Vlädd lag ausgestreckt auf einer fleckigen Couch und rauchte eine selbstgedrehte Zigarette. Der süßliche Geruch verriet, dass es sich dabei nicht nur um Tabak handeln konnte. Gruscha griff sich eine von den alten Wolldecken und verzog sich in eine Ecke des Raumes. Sie wickelte sich ein und schloss die Augen. Tausende Gedanken kamen ihr in den Sinn. Hektor – der Schatten – die Chitinhunde – Hektor der von den Chitinhunden zerfleischt wurde! Über diese Gedanken fiel sie in einen wenig erholsamen, traumlosen Schlaf.
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Tyzor



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BeitragThema: Re: Um das Warten auf den offiziellen Fluff zu verkürzen...   10/11/2012, 17:31



Teil 2: Spuren im Sand


Gruscha schreckte auf. Sie fühlte sich wie gerädert und ein kurzer Moment der Orientierungslosigkeit wurde von der bitteren Erkenntnis abgelöst, dass sie wirklich unter der Erde in einem Pumpenraum der Kanalisation kauerte. Es musste noch mitten in der Nacht sein. Das Feuer war runtergebrannt, ein paar Holzscheite glimmten noch leicht. Vlädds Schnarchen übertönte alle anderen Geräusche. Leise stand sie auf und zog die Decke um ihre Schultern. Es war frisch geworden. Sie schlich aus dem Pumpenraum und ging langsam zum Tor. Scheinbar hatte sie doch einige Stunden geschlafen, denn der Morgen dämmerte.

Es war völlig still als sie neben Elenia trat. Scheinbar musste noch eine Wachablösung stattgefunden haben von der sie nichts mitbekommen hatte. Der Himmel war in Rot- und Blautöne gefärbt, die stellenweise zu einem Lila verschmolzen. Der Anblick der langsam aufgehenden Sonne lies sie für einen Moment die grauenhaften Ereignisse der letzten Nacht vergessen. „Wie geht es dir?“ Elenias Stimme holte sie in die Realität zurück. „Die Köter haben mich gestern zu Tode erschreckt.“, Gruscha setzte sich neben Elenia auf den Steinhaufen.

Sie saßen ein Weile schweigend nebeneinander und beobachteten den Sonnenaufgang. „Es ist ungewöhnlich!“, Elenia sprach in einem unbestimmten Ton. „Was?“, Gruscha kannte die Antwort darauf schon. „Vlädd meinte zwei von den Viechern haben den Rückzug angetreten. Normalerweise greifen sie doch ohne Verstand an und stürzen sich im Zweifel alle in den Tod.“ Elenia machte eine kurze Pause: „Außerdem suchen sie sich im allgemeinen leichtere Ziele. Allein umher streifende Menschen oder so.“ Gruscha hatte letzte Nacht auch überlegt, warum diese Kreaturen ausgerechnet hier und scheinbar so gezielt und überlegt angegriffen hatten. „Vielleicht täusche ich mich und so eine Nachtwache bietet genug Zeit für abwegige Gedanken, aber trotzdem kommt mir dieser Angriff sonderbar vor.“ Elenia sah Gruscha bei den letzten Worten prüfend an.

„Ich glaube ich habe gestern Nacht dort draußen jemanden gesehen.“, Gruschas Blick ging in die Ferne, dem Sonnenaufgang entgegen. „Er war plötzlich verschwunden und die beiden anderen Hunde sind ihm wohl gefolgt.“ - „Du meinst, dass jemand diese abartigen Mutanten gezähmt hat?“, Elenia klang ungläubig obwohl auch sie ihre Zweifel an der Zufälligkeit des Angriffs hatte. „Ich weiß nicht. Aber so unglaublich es auch klingt, es wäre zumindest eine Erklärung für das seltsame Verhalten der Hunde.“, Gruscha hatte den Blick mittlerweile gesenkt. „Ich werde nachher einmal suchen, vielleicht kann ich eine Spur finden die meine Vermutung bestätigt.“ - „Was hoffst du denn zu finden? Meinst du es hat einen Brief hinterlassen?“, Elenia klang immer noch ungläubig.

Nach einer längeren Pause antwortete Gruscha vorsichtig: „Ich weiß es nicht! Du hast das seltsame Verhalten doch auch bemerkt. Dafür muss es doch eine Erklärung geben. Aber bitte Elenia, kein Wort zu Vlädd! Er versteht so etwas nicht.“ Sie richtete ihren Blick nun auf Elenia. „Ich werde es für mich behalten. Ich glaube zwar nicht, dass du etwas finden kannst, aber ich werde dich vorsichtshalber begleiten.“ - „Ruh dich etwas aus! Ich übernehme den Rest deiner Wache.“

Ohne ein weiteres Wort verschwand Elenia. Langsam ging die Sonne auf und beleuchtete die Überreste einer Stadt. Der Name war mit den Einwohnern durch die Apokalypse von der Landkarte getilgt worden. Allerdings gab es hier viele unterirdische Bunkeranlagen. Scheinbar hatten die Menschen dieser Stadt den nahenden Untergang bemerkt und versucht sich vorzubereiten. Als er dann tatsächlich eintraf, unbarmherzig und plötzlich, war trotzdem so gut wie niemand wirklich darauf vorbereitet. Nur die unterirdisch angelegten Vorräte der Metropole zeugten noch davon, dass in diesen Ruinen einmal Menschen gelebt hatten. Es war mühselig nach Bunkereingängen zu suchen aber sie waren auf die Vorräte angewiesen und so durchkämmte die Gang am Tag, Straße für Straße, langsam diese riesige Stadt.

Bisher waren sie dabei nur auf einige vereinzelnd umherstreunende Genmutationen getroffen mit denen sie leicht fertig geworden waren. Die wirklich erschreckenden Wesen kamen erst in der Nacht aus ihren Löchern. Während Gruscha sich so ihren Gedanken hingab, ging die Sonne schließlich ganz auf und sie beschloss zu den anderen zurück zu kehren.

Elenia hatte sich in eine Decke gehüllt und schlief. Yuri war gerade dabei das Feuer etwas anzuheizen und hatte einige Konservendosen ohne Etikett neben sich hingestellt. Bestimmt würden es wieder Bohnen sein. Schweigend griff Gruscha ein Messer und begann die Dosen zu öffnen. Der Rest der Meute lag oder hockte verstreut und noch recht verschlafen in dem Pumpenraum.

Nach und nach kamen alle und aßen schweigend ihr Frühstück, welches tatsächlich aus Bohnen bestand. Es wurde Zeit, dass sie wieder einmal einen neuen Bunker fanden in dem etwas anderes zum Essen war. Yuri war als erster fertig und streckte sich. Dann ging er Richtung Ausgang. Erst jetzt erwachte Vlädd. Er richtete sich auf, grunzte und rülpste schließlich laut. „Gebt mir was zum Fressen!“ brüllte er in den Raum. Von irgend woher wurde ihm eine Dose warmer Bohnen gereicht, die er dann schmatzend begann zu leeren.

Gruscha erhob sich und ging hinter Yuri her. Sie erreichte kurz nach ihm das Stahlgitter. Das Tor stand offen. Yuri drehte sich zu ihr um: „Gruscha du weißt genau, dass das Tor auch tagsüber geschlossen bleiben muss!“ Er sprach leise und überlegt, ganz anders als sein Bruder Vlädd. Aber seine Stimme hatte dadurch etwas kaltes, berechnendes an sich. „Ich...das Tor war zu als ich gegangen bin!“, Gruscha konnte es nicht fassen. Sie glaubte Yuri erlaubte sich einen bösen Scherz mit ihr. „Dann hat sich die Kette also von alleine abgewickelt und die Riegel sind einfach so aufgesprungen! Ich glaube dir zwar, dass dich der Angriff gestern schockiert hat aber wir haben nicht überlebt, weil wir unvorsichtig gewesen sind.Also achte darauf, dass du das Tor wieder zu machst wenn du das Schloss verlässt.“ Yuri sprach immer vom Schloss. Es gab ihm das Gefühl nicht leben zu müssen wie eine Ratte.

Gruscha nickte zerknirscht. Sie war sich sicher, dass das Tor verschlossen war als sie Elenia folgte. Sie überlegte. Sollte ihr Erinnerungsvermögen verrückt spielen? Hatte sie gedankenverloren das Tor geöffnet und vergessen es wieder zu schließen? Ein anderer Gedanke den sie nicht wahr haben wollte manifestierte sich. Es gibt hier etwas, was uns tot sehen möchte. Etwas menschliches was kalt und berechnend ist. Es plant wie es uns umbringen wird. Sie musste Yuri davon erzählen. Doch er würde ihr nicht glauben, wenn sie keine stichhaltigen Beweise vorbringen konnte.

Yuri verschwand durch das Tor und zwischen einige Büsche. Gruscha stand kurze Zeit unschlüssig und überlegte ob sie gehen sollte. Was würde sie machen wenn sie nichts fand? Und viel wichtiger, was würde sie machen wenn sie etwas fand? Bisher hatte sich keiner die Mühe gemacht die Spuren des Kampfes in der Nacht zu beseitigen. Die beiden verkohlten Kadaver lagen immer noch vor dem Gitter. Mittlerweile taten sich einige Krähen daran gütlich. Sie schreckten auf als Gruscha durch das Tor schritt und schrien wütend. Zögernd ging sie auf die Stelle zu an der sie gestern den Schatten gesehen hatte.

Als sie die Bäume erreichte war es nicht zu übersehen. Jemand oder etwas hatte einen blutigen Handabdruck auf der Rückseite der Bäume hinterlassen. Auch die Spuren einer einzelnen Person die hier eine Zeit lang gestanden hatte waren nicht zu übersehen. Sie führten allerdings nur vom Lager weg. Es gab keine Spuren, im Sand vor der Kanalisation, die darauf schließen ließen, wie der Beobachter hierher gekommen war.

Gruscha spürte den beruhigenden Griff ihrer Peitsche in der Hand und folgte der sich entfernenden Spur. Immer weiter führte sie vom Eingang in die Kanalisation weg. Ihre Anspannung wuchs und ihre Sinne schärften sich. Trotz ihrer Müdigkeit war ihr Körper zum Zerreißen gespannt. Auf einmal schrie wieder eine Krähe auf und flatterte dicht vor ihr auf den Boden. Eine zweite und dritte Krähe folgten dem Beispiel. Diese hässlichen Vögel waren eine Art Vorbote des Unheils und sie starrten Gruscha direkt an.

Sie fühlte sich unbehaglich und beobachtet. Mittlerweile hatte sie sich auch ein ganzes Stück vom Lager entfernt. Langsam tastete sie an ihrem Gürtel, und löste die Peitsche. Die Vögel bewegten sich nicht. Sie hockten einfach nur da, starrten sie aus toten, schwarzen Augen an und versperrten ihr den weiteren Weg. Gruscha lies ihre Peitsche knallen. Unter wütendem Protestgeschrei stoben die drei Vögel auseinander. Die Spannung die in der Luft lag konnte man fühlen. Gruscha wollte der Spur nun weiter folgen. Ihr Unbehagen wuchs als sie den Boden betrachtete. Da wo die Krähen gehockt hatten endete die Spur. Es schien, als ob der nächtliche Beobachter seine Flügel ausgebreitet hätte und los geflogen wäre.

Das konnte nicht sein. Niemand hinterließ Fußabdrücke um dann weg zufliegen. Gruscha sah sich suchend um und bemerkte, dass sie in einem Wald von abgestorbenen Bäumen und Gestrüpp stand. Eine Art Park in Mitten der Schuttwüste der zerstörten Stadt. Es knackte neben ihr in den Büschen. Sie schnellte herum, die Peitsche noch immer in der Hand und zum Schlag bereit.

Doch da war nichts. Sie redet sich ein, ihre Nerven seien überstrapaziert von der ständigen Bedrohung und insbesondere vom Angriff in der letzten Nacht. Gruscha machte sich auf den Weg zurück zum Lager. Sie folgte dabei in umgekehrter Weise den Fußspuren im Sand.
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Tyzor



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BeitragThema: Re: Um das Warten auf den offiziellen Fluff zu verkürzen...   12/11/2012, 23:08

Fortsetzung von Teil 2...

***

Er stand auf einer Anhöhe und lies seinen Blick über die Ebene streifen. Die Stadt war genau wie die Städte, die er zuvor besucht hatte komplett zerstört worden. Es war dunkel und ein eisiger Wind zog leise durch die Ruinen.

Die Nacht war sternklar und er konnte recht weit sehen. Seine Augen waren an die Dunkelheit gewöhnt. Ein Schatten seiner selbst. Die Strahlung änderte die Genetik der Lebewesen. Die Einsamkeit besorgte den Rest. Seine Gedanken kreisten um die Parasiten die sich in der Kanalisation eingenistet hatten.

Er würde sie der gerechten Strafe zu führen. Niemand konnte entkommen. Die Menschheit war ein Virus und er würde dafür sorgen das Werk, was die Menschen selbst begonnen hatten zu vollenden. Die Hunde lagen blutdurstig zu seinen Füßen, die Muskeln zum schnellen Aufbruch angespannt warteten sie darauf, dass er ihnen einen Befehl erteilen würde. Doch noch war die Zeit nicht gekommen.

Langsam schob sich eine Wolke vor den hellen Mond und tauchte die Ebene, den Hügel und die Überreste der Stadt in völlige Dunkelheit. Unheilvoll zogen weitere Wolken auf, bis man die eigene Hand vor den Augen nicht mehr sehen konnte. Der Umschwung des Wetters hatte etwas bedrohliches. Einsam blies nur noch der Wind über den Hügel und wehte etwas Staub in die Nacht.


***

Gruscha erreichte den Eingang zur Kanalisation, als die anderen sich davor sammelten um in der Stadt nach Vorräten zu suchen. Elenia war nicht dabei, wer als letzter Wache halten musste, der durfte tagsüber ausschlafen. „Wo kommst du her Gruscha?“, Yuri klang mehr besorgt als verärgert. „Ich musste mich in die Büsche schlagen. Hör auf mich zu bemuttern!“, sie hatte sich erstaunlich schnell wieder gefasst nach dem Schrecken mit der ins Nichts verlaufenen Spur.

Anton sollte den Eingang zu ihrem Unterschlupf bewachen, während der Rest in die Stadt zog um nach Vorräten zu suchen. „Ich übernehme das für dich! Immerhin hast du gestern auch meine Wache gemacht!“, Gruscha bot ihre Hilfe an. Vlädd grunzte: „Okay! Dann muss ich dich nach deinem Versagen gestern wenigstens nicht den ganzen Tag sehen. Los Anton!“ Gruscha blieb zurück als die anderen sich in die Stadt oder das was davon über war, begaben.

Sie hockte sich wieder auf den Steinhaufen und verriegelte das Tor. Dem Stand der Sonne nach zu urteilen musste es Mittag sein, als Elenia im Tunnel hinter ihr auftauchte. Trotz das die Sonne groß am Himmel stand war es kalt. Ein schneidender Wind zog über die Ebene und blies auch in den Tunneleingang. Elenia fröstelte etwas.

„Ich dachte Anton sollte die Wache übernehmen!“ - Gruscha antwortete nicht gleich: „Er hat mich gestern abgelöst und ich habe mich dafür revanchiert. Außerdem wollte ich dir etwas zeigen!“ Elenia schien von den letzten Worten etwas verunsichert. Schweigend öffneten sie beiden Frauen das Stahlgitter und verließen die Windstille des Tunneleingangs. Im eisigen Wind fröstelte es nun auch Gruscha.

Langsam gingen die beiden hinüber zu der Stelle an der Gruscha die Spur und den blutigen Handabdruck gefunden hatte. Sie fanden beides noch vor. Innerlich atmete Gruscha auf, als sie die Spur sah. Es war also keine Einbildung gewesen. Sie wurde nicht langsam verrückt. „Die Fußspuren laufen ca. einen Kilometer durch die Ebene und enden dann ohne erkennbaren Grund mitten in einem alten Park!“ - „Wie sie enden?“, Elenia blickte der Spur hinterher. „Naja...sie hören einfach auf. Es ist nicht zu erkennen warum aber sie hören vom einen auf den anderen Moment auf.“, Gruscha wusste, dass es schwer zu glauben war. Sie hatte es selber gesehen und konnte es nicht glauben. Es war als wollte jemand oder etwas, dass sie Bescheid wussten. Als ob er absichtlich diese Fährte gelegt hätte die ins Nichts führte.

Als die beiden Frauen zurück in der Kanalisation waren setzten sie sich wieder schweigend auf den Steinhaufen. Es verging eine ganze Weile bevor Gruscha sagte: „Wir müsse Yuri die Spur zeigen! Er muss uns glauben.“ Elenia schwieg zustimmend. Wachsam aber schweigend verbrachten sie den Rest des Tages nebeneinander auf dem Steinhaufen und warteten auf ihre Mitstreiter.

Langsam brach die Dämmerung herein, doch vom Rest der Gang immer noch nichts zu sehen. In der Ferne heulte ein Hund laut in Richtung des aufgehenden Mondes und der Wind wurde immer stärker. Obwohl es den ganzen Tag sonnig gewesen war blieb es es kalt und nun wurden angetrieben vom Wind tiefschwarze Wolken herangepeitscht. Ein Unwetter zog auf. Neben den Kreaturen der Nacht und der Rivalität mit anderen umherstreifenden Banden war der toxische Regen eines der größten Probleme. Wer sich zu lange im Regen aufhielt bekam Fieberanfälle und im schlimmsten Fall konnte man an den Folgen einer Vergiftung sterben.
Der Wind heulte mittlerweile laut und grollend durch die Ruinen der Stadt. Im Eingang des Kanals wurde sein Echo verstärkt und Gruscha musste schreien um die Windgeräusche zu übertönen: „Wo bleiben die anderen?“ - Auch Elenia war inzwischen sehr besorgt, dass der Rest es nicht rechtzeitig schaffen würde und sich vergiften würde. Doch vorerst konnten sie nur warten.
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